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Netzwerke Kinderschutz & Frühe Hilfen

Fachtag "Kooperation im Kinderschutz" - Frau Barke und Frau Frinker


Netzwerkarbeit zu Kinderschutz und Frühen Hilfen - Wir sind auf gutem Weg … zu verbindlicher Kooperation

Katja Barke und Ramona Frinker, Netzwerkbüro Kinderschutz und Frühe Hilfen Landkreis Görlitz


Frau Barke gab einführend einen Rückblick auf den Start des Projektes und stellte dar, dass die Initiative des Freistaates Sachsen im Jahr 2007 die Möglichkeit geboten hat, den abgestimmten Schutz von Kindern in koordinierende Strukturen zu geben. Bereits damals war es eine bewusste Entscheidung gewesen, diese Koordinierung als Kooperationsprojekt an den öffentlichen
und gleichzeitig an drei freie Träger der Jugendhilfe anzubinden.
Schon zu Beginn hatte inhaltlich das Erkennen und Handeln bei Kindeswohlgefährdung, d.h. die Gewährleistung des Schutzauftrages, im Vordergrund gestanden. Unter anderem aus diesem Grund seien drei regionale Netzwerkstrukturen aufgebaut worden, um anonymisierte Fallbesprechungen durchzuführen, Rollenklärungen vorzunehmen, Grenzen und Möglichkeiten der unterschiedlichen Professionen auszuloten, gegenseitige Unterstützungsmöglichkeiten zu erfragen und sich über die Umsetzung von Verfahrenswegen abzustimmen.Im Rahmen der Netzwerkarbeit ist deutlich geworden, dass es neben dem Schutz und funktonierendner Intervention vor allem auch Prävention braucht, sodass heute – nach 10 Jahren – von Präventivem Kinderschutz gesprochen werde.Die Kooperation für einen gelingenden Kinderschutz wird durch die Arbeit der Koordinatoren Soziales Frühwarnsystem – Netzwerke Frühe Hilfen unterstützt und fachlich begleitet Das Soziale Frühwarnsystem hat sich daher von Beginn an als ein Querschnittsbereich verstanden, der auf vorhandene Lücken im Kinderschutzsystem hinweisen möchte.Die aktuelle unmittelbare Verzahnung der Stabsstelle Präventiver Kinderschutz mit der Jugendhilfeplanung ist dabei sehr günstig.
Frau Frinker nahm Bezug auf den Begriff Soziales Frühwarnsystem, indem sie verdeutlichte, dass alle im Kinderschutz und in den Frühen Hilfen tätigen Fachkräfte das Soziale Frühwarnsystem darstellen würden. Aus diesem Grund werden unter dem Begriff Kinderschutz Prävention, Intervention und ebenso Kooperation, Dialog und zielgerichtetes Handeln verstanden.
Sie erläuterte im Anschluss die Aufgaben der Koordination im präventiven Kinderschutz.
Gemeinsam mit Frau Barke als Projektverantwortliche unterstützt sie mit ihren Kolleg*innen Andreas Kauf und Susanne Bednarek das Soziale Frühwarnsystem im Landkreis Görlitz. Diese Arbeit beinhaltet bspw.
  • die Prüfung des gesetzlichen Anspruches sowie die Bezüge aus der Literatur, um daraus Ideen für die Umsetzung auf lokaler Ebene zu erarbeiten,
  • den Abgleich dieser Ideen in einem adäquaten Beteiligungsprozess mit Fachkräften aus der Praxis (je nach Themenfeld im kleineren Kreis, so z.B. bei der Erstellung des Verfahrensweges Schule in 2012 oder mit größerem Umfang, z.B. bei der inhaltlichen Fortschreibung des Orientierungskataloges Kindeswohl in 2014),
  • und die nachfolgende Überprüfung der Ergebnisse und ggf. notwendige Anpassungen in den Netzwerken.
Hervorzuheben sei zudem die Tatsache, dass die Koordinator*innen diesen Aufgaben regional zentriert im „Netzwerkbüro Kinderschutz und Frühe Hilfen“ am Lutherplatz in Görlitz nachgehen können. 
Frau Finker ging anschließend anhand der „Insoweit erfahrenen Fachkraft“ (IeFK) auf ein erfolgreiches Beispiel gelebter Kooperation im Kinderschutz ein. Zur Einführung in dieses Thema zeigte sie den Anwesenden den eigens für den Landkreis Görlitz entwickelten Erklärfilm.
Die Aussage des Films unterstützend, erläuterte Fr. Frinker die wichtige Rolle der IeFK, Fachkräften bei der Einschätzung eines Verdachtes auf Kindeswohlgefährdung beratend zur Seite zu stehen. Dies sind für Fachkräfte je nach Gesetzeslage verpflichtend (SGB VIII) oder empfehlend (BKiSchG, KKG) geregelt.
„Doch woher diese Fachkräfte nehmen, die im Kinderschutz insoweit erfahren sind, dass sie Andere beraten können?“, stellte Frau Frinker die Herausforderung des Landkreises heraus.
Folgerichtig hätte sich der Landkreis Görlitz dazu entschlossen, Insoweit erfahrene Fachkräfte vor Ort auszubilden. Zu diesem Zweck ist in enger Kooperation mit lokalen Netzwerkpartnern ein Ausbildungscurriculum entwickelt worden, welches ab 2008 die Grundlage für die erfolgreiche Durchführung von vier Ausbildungskursen dargestellt hat. In der Folge ist der Ausbildungskurs zu einem Zertifikatskurs weiterentwickelt worden, mit einer abschließenden Prüfungsleistung.
Aktuell, gibt es über 30 IeFK im Landkreis Görlitz. Um den für diese verantwortungsvolle Arbeit notwendigen Erfahrungs- und Informationsaustausch zu ermöglichen, ist das Netzwerk der IeFK gegründet worden. Dieses treffen sich zweimal jährlich. Zudem haben die "Fachstandards für Insoweit erfahrene Fachkräfte" mit entwickelt. Ferner ist ein aus acht IeFK bestehender Referentenpool Kinderschutz aufgebaut worden, um der hohen Anfrage nach Schulungen von Institutionen aus dem Landkreis nachzukommen. Auch hierbei sind die Inhalte gemeinsam abgestimmt worden, wobei die Aufbereitung der Materialien, die Koordinierung der Anfragen als auch die Evaluation der erfolgten Schulungen über das Netzwerkbüro Kinderschutz und Frühe Hilfen erfolgt. Über 900 Fachkräfte vornehmlich aus Jugendhilfe, Bildungswesen und Ehrenamt haben bereits entsprechende Schulungen in Anspruch genommen.
Da das Beratungsangebot der IeFK zu wenig nachgefragt wird, wurde über die Koordinator*innen die Öffentlichkeitsarbeit für die IeFK verstärkt. So ist die Liste der IeFK, welche die jeweiligen Kontaktdaten und Beratungsschwerpunkte beinhaltet, aktualisiert und auf der Homepage des Sozialen Frühwarnsystems anwenderfreundlicher zugänglich gemacht worden.
Der bereits genannte Erklärfilm wurde 2017 entwickelt. Ausdrücklich besteht der Wunsch an alle Kooperationspartner, diesen zu Schulungszwecken zu nutzen. Weiterhin wird auf das Beratungsangebot immer wieder in dem Newsletter „Miteinander für Familie“ hingewiesen, der mit den Partnern des integrierten Rahmenkonzeptes (Netzwerkbüro Kinderschutz und Frühe Hilfen, Koordinierungsstelle Familienbildung, Familienhebammen, Projekt Guter Start) viermal jährlich veröffentlicht wird und von ca. 850 Personen abonniert ist.
Fr. Frinker stellte im Anschluss dar, dass das Team des Netzwerkbüros im Jahr 2017 seine Schulungspraxis an den Bedarf angepasst hat und verstärkt Inhouse-Schulungen anstelle von Multiplikatorenschulungen durchführt. Dadurch wird zum einen eine höhere Anzahl an Fachkräften erreicht und zum anderen besteht die Möglichkeit , einrichtungsbezogene Fragen in den Mittelpunkt zu stellen und die Entwicklung von internen Schutzkonzepten anzuregen. Ferner werden alle Ergebnisse, Zwischenstände und die entwickelten Materialien regelmäßig im Jugendhilfeausschuss vorgestellt. Durch die entsprechenden Beschlussfassungen sind die Verbindlichkeit der Absprachen und Verfahrensweisen gesichert.
Weiterhin ist über die konstante Rückkoppelung, Auswertung und Überprüfung der Wirksamkeit im Kinderschutz eine gezielte Rückmeldung an die Jugendhilfeplanung zur Ausgestaltung der Jugendhilfelandschaft möglich.

Mit der Aussage „(…) das, was uns hier im Landkreis als Soziales Frühwarnsystem in enger fachübergreifender Kooperation gelungen ist, vertreten wir gern auch über die Landkreisgrenzen hinweg und erhalten dafür Zustimmung und Beachtung“ beendete Frau Frinker ihren Vortrag und übergab an Frau Barke.
Frau Barke erläuterte im Folgenden, dass es für einen gelingenden Kinderschutz, d.h. für geeignete Begleitungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Familien, eine gute und verlässliche Netzwerkarbeit unter den Fachkräften aus allen Bereichen benötigt.
Zudem dankte sie dem Freistaat Sachsen für die langjährige fachliche Begleitung durch das Sächsische Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) als auch durch das Landesjugendamt. Sie unterstrich, dass es gelungen ist, Konstanz in die Förderung durch den Bund, den Freistaat und den Landkreis zu bringen.
Auch zu der Tatsache, dass Sachsen die Verwaltungsvereinbarung mit dem Bund bzgl. des zukünftigen Stiftung Frühe Hilfen am 01.09.2017 unterzeichnet hat, dankte sie.
Sie betonte den durch den Landkreis Görlitz explizit geäußerten Auftrag, sich weiterführend für den präventiven Kinderschutz einzusetzen und die Frühen Hilfen auszubauen. Damit ist das Selbstverständnis verbunden, dass präventiver Kinderschutz nicht etwas Losgelöstes oder Zusätzliches ist, sondern überall dort mitgedacht und umgesetzt werden muss, wo mit Familien, Kindern und Jugendlichen gearbeitet würde. Dies impliziert die Notwendigkeit, dass für alle beteiligten Fachkräfte ausreichend Ressourcen für Kooperation und Beteiligung zur Verfügung stehen müssen.
Verbindliche Kooperation und Beteiligung braucht einerseits den Mut, auf Irritationen hinzuweisen und weiterführend Zeit und Proaktivität, um die festgestellten Schwierigkeiten im Kinderschutz gemeinsam zu erörtern. An dieser Stelle ist es wünschenswert, dass Kinderschutz real gelebte Chefsache ist – in den Kommunen, in den Geschäftsführungen der Kooperationspartner und in den Verwaltungen unterschiedlichster Träger und Einrichtungen.
Mit einem präventiven Kinderschutz ist ein abgestimmtes Controlling und die Wirkungsevaluation eng verknüpft. Als Beispiel nannte Frau Barke die Überprüfung der Umsetzung des Schutzauftrages in der Jugendhilfe und bei den Berufsgruppen nach dem BKiSchG.
Abschließend wendete sie sich an alle Kooperationspartner im Kinderschutz und inden Frühen Hilfen: „Unser herzlichster Dank an alle anwesenden Netzwerkpartner, die stellvertretend für viele weitere heute hier sind. Ohne Sie wäre die Netzwerkarbeit und die dabei entstandenen Ergebnisse nie möglich gewesen! Vielen Dank dafür!“ 
Frau Barke leitete den Abschluss des Fachtages mit der Aussage ein, dass der Landkreis Görlitz das integrierte Rahmenkonzept „Miteinander für Familien“ sowohl inhaltlich als auch finanziell weiterhin unterstützen wird. Als ein wichtiges Zeichen dafür ist die Schaffung der Stabstelle Präventiver Kinderschutz anzusehen. Kinderschutz und Frühe Hilfen sind zudem wichtige und vor allem fortlaufende Themen. Der Schritt, das Soziale Frühwarnsystem von dem Projektcharakter zu lösen und zu einem Regelangebot zu etablieren, ist wichtig und richtig gewesen - denn Kinderschutz müsse fortlaufend koordiniert werden.

Frau Barke gab einen Ausblick in das in 2018 weiter zu verfolgenden Teilziel „Kinderschutz geht alle an!“ des Rahmenkonzeptes. Hier nannte sie z.B.
  • die weiterzuführende und auszubauende fachübergreifende Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern auf Mitarbeiter- und Leitungsebene,
  • die Fortschreibung einer gemeinsamen „Handlungsanleitung zur Sicherung des Kindeswohls im Landkreis Görlitz“ mit professionsbezogenen Verfahrensweisen, dessen Prozess in 2017 bereits begann,
  • das Schaffen von Verbindlichkeit in Bezug auf Kooperation im Kinderschutz durch das Vorhaben, verbindliche Kooperationsvereinbarungen zu erstellen,
  • die aktive Mitwirkung an der Entwicklung und Umsetzung einer kommunalen Präventionsstrategie auf kommunaler Ebene,
  • die Fortbildung von Fachkräften zu den Themen Kinderschutz, und Verfahrenswege bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung,
  • den Bedarf, eigens ausgebildete Insoweit erfahrene Fachkräfte und Kinderschutzbeauftragte (bspw. in Schulen) für das Bildungswesen als auch das Gesundheitswesen vorzuhalten
  • das Ziel, dass alle Insoweit erfahrenen Fachkräfte entsprechend der geltenden Fachstandards des Landkreises geschult sind und diese Standards in ihrer Beratung umsetzen und
  • die verbindlich zu gestaltende Netzwerkarbeit mit aktiver Teilnahme aller Professionen.
Das wichtigste Anliegen ist und bleibt jedoch die Kooperation und die Beteiligung mit einer Verbindlichkeit, die auch personenunabhängig funktioniere und bat die Anwesenden um ihre bestmögliche Unterstützung.

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