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Soziales Frühwarnsystem Landkreis Görlitz

Landkreis Görlitz, Landratsamt
Jugendamt Görlitz
Katja Barke
PF 30 01 52
02806 Görlitz

Tel.: 03581 - 878 83 50
Fax: 03583 -

E-Mail: kontakt@sfws-goerlitz.de







Was braucht (m)ein Kind?

Denkschrift von (d)einem Kind

Ulrich Wegener hat diese Aussagen untermauert und ergänzt:

1. Mache mir meine Welt und mein Leben so schön wie möglich. Doch verwöhne mich nicht. Ich weiß genau, dass ich nicht alles haben sollte, worum ich Dich bitte. Ich prüfe Dich nur, ob Du es gut mit mir meinst und Nein sagen kannst. Ich verstehe und kann schon fast alles, muss bloß manches noch lernen. Erwarte das von mir.
 2. Habe keine Angst, fest mit mir zu sein. Ich weiß dadurch, woran ich mit Dir bin. Glaube mir nicht, wenn ich behaupte, Falsches zu wollen. Ich will und kann gut sein. Zweifele daran niemals. Hilf mir, damit ich meinen Willen und mein Können durch Taten beweise.
 3. Wende keine Gewalt gegen mich und andere an. Außer bei Gefahr für Glück, Gesundheit oder Leben. Dann so wenig wie möglich, aber so viel und schnell wie nötig. Sonst lerne ich, dass es auf Gewalt ankommt. Ohne Gewalt lasse ich mir viel lieber helfen. Schütze mich vor jeder Gewalt, wie und durch wen auch immer sie angewendet wird.
 4. Mache mir keine Versprechen, die Du nicht ganz sicher einhalten kannst. Kündige mir keine Folgen meines Fehlverhaltens an, von denen Du nicht ganz genau weißt, dass sie eintreten. Sonst gewinne ich kein Vertrauen zu Dir. Sage niemals, dass ich unglücklich werde, wenn ich mich weiterhin falsch verhalte. Das weiß ich schon! Dein Jammern nimmt mir Mut. Glaube daran, dass ich es trotz allem schaffe.
 5. Viel Falsches sage und tue ich nur, um Dich aufzuregen. Falle darauf nicht so oft rein. Bleib ruhig und sachlich. Sonst tue und sage ich Falsches, weil ich Dich damit aufregen kann. Achte nicht nur auf meine Worte. Um mich zu verstehen, sind meine Taten, ihre Gründe und vor allem ihre Ziele wichtiger. Ich guck Dir auch nicht nur aufs Maul, sondern beobachte vor allem Dein Tun und Lassen. Ich bemerke jeden Unterschied zwischen Wort und Tat.
6. Nimm es gelassen und möglichst mit Humor, wenn ich Dich beschimpfe oder beleidige. Dir soll leid tun, was Du mir gerade gesagt und für mich gerade getan hast. Du und ich wissen, dass Du ein tüchtiger und ehrlicher Mensch bist. Es gefällt Dir besser, nicht beschimpft und beleidigt zu werden. Versuche, mich nicht zu beleidigen und zu beschimpfen. Du darfst mit mir laut reden. Zeige mir Deine Trauer und Deinen Zorn über meine Taten und Deine Sorgen und Ängste um mich. Nur nicht zu oft.
7. Stelle mich niemals vor Dir, vor anderen oder vor mir selber bloß. Ich weiß mindestens genauso gut wie Du, was für Fehler, Schwächen und Mängel ich noch habe. Ich weiß, dass Du weiter bist als ich. Das muss doch so sein. Du musst mir das nicht erst beweisen. Zeige und beweise mir, was ich schon richtig mache, wo ich schon stark und erwachsen bin. An das Gute in und an mir zu glauben, fällt mir verdammt schwer. Dazu brauche ich Deine Hilfe.
 8. Nimm mir nichts ab, was ich schon selber kann. Sonst mache ich Dich zu meinem Sklaven. Dann verlerne ich, zu lernen. Hilf mir, wenn ich was noch nicht schaffe. Versuche es, obwohl ich mich zunächst gegen Deine notwendige Hilfe mit Worten und Taten auflehne. Wenn Du für Deine Hilfe für mich den Konflikt mit mir nicht scheust, beweist Du mir, dass ich Dir was bedeute.
 9. Sei vorsichtig, dass mir meine Fehler, Schwächen und Mängel nur die unbedingt notwendige Aufmerksamkeit einbringen. Ich brauche kein Mitleid. Ich gebe sonst auf, mich um meine Verbesserung zu bemühen. Merke jeden meiner Fortschritte! Gerade dann, wenn sie nur winzig klein sind. Fortschritt und Erfolg hilft mir und spornt mich an. Vom Misserfolg lerne ich fast nichts.
 10. Kritisiere mich so selten wie möglich vor anderen. Mir fällt es dann sehr schwer, Deine Kritik sachlich zu prüfen. Das gelingt mir, wenn Du ruhig unter vier Augen mit mir sprichst.
 11. Versuche erst gar nicht, mein Fehlverhalten noch in der Aufregung mit mir zu besprechen. Ich kann dann kaum sachlich sein. Mache zunächst alles Notwendige, damit ich mein Fehlverhalten lasse und der Schaden so gering wie möglich ist. Lass uns erst später über alles in Ruhe reden.
 12. Halte mir keine Predigten. Ich weiß, was Recht und Unrecht ist. Glaube endlich daran. Durch Predigten über Selbstverständlichkeiten kriege ich nur Zweifel an meinem Wissen und Können.
 13. Ich muss lernen, Fehler zu machen und Fehler zu verbessern. Ich muss lernen, Misserfolge zu ertragen, ohne an meinen Fähigkeiten zu zweifeln. Ohne Mut zum Fehler kann ich nicht lernen. Sei kein Hellseher. Behaupte niemals, dass ich meine Fehler nicht sein lassen kann. Du kannst das nicht wissen. Erkenne meine Fehler, Schwächen und Mängel immer besser. Glaube aber immer an meine Möglichkeiten zum Guten. Lerne meine Tat und mich als Person mit meinen Möglichkeiten zu unterscheiden.
 14. Verlange keine Erklärungen für meine Fehler, Schwächen und Mängel. Ich weiß es nicht genau. Meine Erklärungen sind deshalb meistens billige Entschuldigungen. Du kannst mögliche Gründe und Ziele meines Fehlverhaltens wissen. Diese Möglichkeiten musst Du mit mir besprechen. Gemeinsam können wir unsachliche Gründe und Ziele meines Verhaltens erkennen und verstehen. Dann kann ich meine Ziele und damit mein Verhalten ändern.
 15. Erwarte von mir niemals Entschuldigungen und keine Versprechungen. Stelle meine Ehrlichkeit nicht auf die Probe. Wenn ich alles richtig machen soll, wird meine Angst so groß, dass ich dann gar nichts mehr schaffe. Ich bemühe mich doch sowieso, zu lernen. Wann glaubst Du mir das endlich? Verlange nicht von mir, besser als Du selbst zu sein. Halte es aber aus, wenn ich in manchen Dingen besser als Du bist.
 16. Bestrafe mich niemals. Wer straft kann nicht helfen. Bitte auch nicht andere, mich zu strafen. Aus Strafen lerne ich nichts Gutes. Strafen fordern mich heraus, mich dennoch falsch zu verhalten. Sage mir vorher ehrlich, welche Folgen falsches Verhalten hat. Berate mit mir, wie Du mir helfen kannst, damit ich falsches Verhalten sein lasse.
 17. Nimm mir keine unangenehmen Folgen ab. Beachte, dass es genügend schlimme Folgen für mein Fehlverhalten gibt. Nur selten musst Du Dir eine zusätzliche Folge meines Fehlverhaltens ausdenken. Bettele bei keinem um Milde oder Strenge für mich. Verteidige mich aber klug und konsequent gegen Ungerechtigkeit. Schütze mich nur vor wirklich schlimmen Folgen. Ich kann aus guten und schlechten Erfahrungen lernen. Hilf mir, dass ich schlimme Folgen mutig und gut auf mich nehme und vernünftig damit umgehe. Dadurch komme ich voran.
 18. Sorge Dich umfassend um meine Gesundheit. Hilf mir zusammen mit dem Arzt, wenn ich krank bin. Beachte aber Wehwehchen möglichst wenig. Mitleid macht mich nicht gesund. Erwarte von mir, meine Pflichten zu erfüllen, soweit es geht. Das ist die beste Medizin, weil ich dann eine Krankheit fast vergessen kann. Rede mit meinem Arzt und informiere ihn, damit er mir nicht durch falsches Mitleid und übertriebene Nachsicht schadet. Wie mir zu helfen ist, wisst Ihr Beide erst zusammen genau.
 19. Antworte ehrlich und umfassend, wenn ich ehrliche Fragen an Dich habe. Sonst frage ich Dich nicht mehr, sondern suche anderswo Antworten. Du kannst mit mir über alles sprechen. Die Wahrheit tut weniger weh, als Verschweigen oder Weglassen. Und versuche es auf keinen Fall mit Lügen. Das bekomme ich raus. Dumme und bedeutungslose Fragen beantworte nicht. Sonst merke ich, dass Du mich nicht ernst nimmst.
 20. Nimm meine Mutter (meinen Vater) in Schutz, wenn sie sich selbst oder wenn ich ihnen Vorwürfe mache. Vorwürfe nützen keinem. Hilf Vater (Mutter) und mir, zu sehen, was wir uns Gutes angetan haben. Davon gibt es genug. Hilf Vater (Mutter), zu seinen (ihren) Fehlern vor mir zu stehen, ohne zu verzweifeln. Verschweige mir gegenüber nicht Deine Fehler. Glaube daran, dass sich Fehler nicht vererben. Hilf mir, aus den Fehlern der Erwachsenen zu lernen.
 21. Erwarte nie meine Liebe und Dankbarkeit, mein Vertrauen zu Dir. Sonst kann ich Dir niemals vertrauen und dankbar sein. Verlange nicht, an Deine Hilfsbereitschaft zu glauben. Das musst Du mir erst einmal durch Taten beweisen. Behaupte bloß nicht, dass Du mir aus Selbstlosigkeit hilfst und Opfer für mich bringst. Das glaubst Du hoffentlich selbst nicht. Falls doch, bist Du ein hilfloser Helfer. Bemühe Dich, ein guter, also ein unbequemer Helfer zu sein. Dann können wir Freunde werden. So wie wir Kinder Vater und Mutter ehren sollen, so sollt Ihr Eure Kinder ehren. Das hat der liebe Gott bei seinen 10 Geboten bloß vergessen.
 22. Du weißt schon, Du sollst daran glauben, dass ich Gutes will und kann. Vertraue aber nicht ungeprüft, dass ich das Gute schon immer schaffe. Bestimme deshalb über alles, was ich tue oder lasse, mit. Du bist weder mein Sklave noch mein Herrscher. Mitbestimmen heißt, dass wir in allen Fragen Übereinstimmung suchen müssen, ohne dass es um Sieg oder Niederlage geht. Nur wenn wir uns noch nicht oder nicht schnell genug einigen können, musst Du allein entscheiden. Dann gilt zunächst Dein letztes Wort, weil Du schon erwachsen bist. Habe den Mut zum letzten Wort, aber missbrauche es nicht. Ohne diesen Mut glaube ich nicht, dass Du mich schützen und mir helfen kannst und willst.
 23. Lass Dich von mir nicht erpressen. Auch nicht, wenn ich Gewalt gegen mich oder andere androhe oder sogar anwende. Lässt Du Dich erpressen, versuche ich es immer wieder. Du kannst dann immer weniger über mein Tun und Lassen mitbestimmen und mir sehr bald gar nicht mehr helfen.
 24. Glaube nicht, dass Du Deine Fehler, Schwächen und Mängel verbergen kannst. Versuchst Du es trotzdem, bemerke ich Deine Feigheit. Ich glaube sowieso nicht, dass Du vollkommen und unfehlbar bist. Du musst Dir immer helfen lassen, wenn Du mir allein nicht helfen kannst. Sonst merke ich, dass Dir Deine Eitelkeit wichtiger ist, als Deine Hilfe für mich. Du darfst mich für Deine Macken und Fehler um Verständnis bitten. Dadurch fällt kein Zacken aus Deiner Krone. Du hilfst mir damit, an Deine Ehrlichkeit und Deine Wahrheitsliebe zu glauben. Zeige mir, dass Du Dich trotz Deiner Macken selbst lieb hast. Dann kann ich glauben, dass Du auch Deinen Nächsten liebst.
 25. Mache Dir keine Sorgen, nicht genug Zeit für mich zu haben. Du darfst ohne schlechtes Gewissen arbeiten gehen und beruflich erfolgreich sein. Du bist die meiste freie Zeit und jedes Jahr in den Ferien einige Wochen mit mir zusammen. Damit beweist Du, dass Du gern mit mir zusammen bist. Ich gönne Dir mindestens einen Tag in der Woche und einen langen Urlaub in den Schulferien, wo Du mal nichts von mir wissen willst. Du brauchst das, lass Dir das deshalb nicht nehmen. Sonst kommt es vor allem darauf an, wie wir unsere gemeinsame Zeit miteinander verbringen, da lass Dir was einfallen. Das muss nicht viel Geld kosten.
 26. Ohne Verständnis, Humor, Freude, Hoffnung und Fröhlichsein kann ich nicht lernen, mich mutig ins Leben zu stürzen. Glaube mit mir daran, dass wir Menschen für alle Menschen Frieden und Glück schaffen können. Die Welt wird nicht eines Tages untergehen, wenn wir uns gemeinsam rechtzeitig einmischen. Lass uns bei allen Festen und Feiern ausgelassen Beisammensein. Doch das brauche ich Dir alles ja nicht erst zu sagen.
 27. Sei mir gegenüber so, wie Du gegenüber Deinen guten Freunden und guten Vorgesetzten bist. Behandele mich so, wie Du von Freunden und Vorgesetzten behandelt werden willst. Verhalte Dich so, wie Du gewünscht hast, dass Dir von Deinen Eltern als Helfern beigestanden würde. Denke daran, dass ich von Deinem Beispiel lernen kann. Oft mehr, als von Deinen Reden.
 28. Du bist kein Zauberer. Sei geduldig, wenn ich nicht schnell genug vorankomme. Lass uns doch Zeit! Suche nach Deinen Fehlern und Mängeln, wenn Deine Hilfe noch nicht hinreicht und nicht schnell genug wirkt. Prüfe genau, was Du anders und besser machen kannst und musst. Entschuldige Dich niemals mit meinen Fehlern und Schwächen, meinen angeblichen Anlagen oder den Umständen. Entschuldige Dich auch niemals mit den Fehler der anderer Erwachsenen und deren angeblichen Grenzen in Kindergarten, Schule und Ausbildung. Das alles nützt nämlich keinem, am wenigsten Dir selbst. Auf Dich kommt es an! Du machst Fehler, die Du korrigieren kannst und musst, wenn Du mit Deiner Hilfe unzufrieden bist. Wenn Du nicht mehr glaubst, dass Du mir helfen kannst, ein tüchtiger und glücklicher Mensch zu werden, dann sage mir das ehrlich. Kümmere Dich dann, Menschen zu finden, die an mich glauben können und Dir das beibringen. Sage mir, wenn ich eine Gefahr für andere Mädchen und Jungen bin. Mach es Dir aber nicht zu einfach. Mein Fehlverhalten ist keine ansteckende Krankheit. Schaffst Du es nicht, mir zu helfen, die Gefahr durch mein Verhalten für mich und andere zu verringern oder zu beseitigen, verstehe ich, dass ich woanders hinziehen muss. Ein notwendiger Umzug ist für mich kein Rausschmiss, selbst wenn ich das in meiner Trauer behaupten sollte. Drohe deshalb niemals mit dem Rausschmiss. Sorge in Ruhe dafür, andere Menschen zu finden, die mir helfen können. Egal, wie wir auseinander gegangen sind: Ich möchte mein Leben lang die Hilfe von Dir.
 29. Ich brauche Hilfe. Deshalb habe ich mich - seit dem ich das gelernt habe - für Dich und Euch entschieden. Zum Zusammenleben mit Euch hätte mich keiner zwingen können. Gehorche nicht einfach, wenn ich sage, dass ich weg will. Meistens stimmt das nicht. Mache mir Mut, meine Probleme mit Dir und den anderen lösen zu können. Ich weiß, dass ich meine Probleme durch einen Umzug nicht wegkriege. Ich habe dann aber noch Zweifel, ob ich es trotz und mit Deiner Hilfe schaffen kann. Versuche nicht, mich zum Bleiben zu überlisten oder zu überreden. Versuche es auch nicht mit Zwang, Erpressung oder Verführung mit Geld. Wenn Du mich nicht durch Taten überzeugst, dass Du mir helfen kannst, suche mit mir ein anderes, zweites zu Hause. Selbst dann, wenn Du den Wechsel für falsch hältst: Lass mich immer mit aufrechtem Gang zu Dir und den anderen zurückkommen.
 30. Zeige mir Deine Dankbarkeit, dass Du mir helfen darfst. Gerade dann, wenn ich es eigentlich nicht „verdient" habe. Ich werde als Erwachsener für Dich die Krankenkasse und die Rente erarbeiten, für Dich da sein und mit Dir und allen Menschen für das Gute in unserer Welt eintreten. Immer werde ich an Dich denken und Dich nie vergessen. Du bekommst für Deine Hilfe ja nicht nur Geld, Hilfe, Anerkennung und Liebe. Dein Leben bekommt durch Deine Hilfe für mich einen Sinn. Du brauchst mich, trotz und wegen meiner Fehler, Schwächen und Mängel. Genauso wie ich Dich brauche, trotz alledem.

 






letzte Aktualisierung 09.08.2016

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